In der Kanti wird weiter abgebaut

Das langjährige und hochgeschätzte Betreiberpaar der Mensa in der Kantonsschule am Burggraben ist in einem unsolidarischen Akt der Sparpolitik zum Opfer gefallen. An ihre Stelle tritt eine profitorientierte Aktengesellschaft; die Ökonomisierung des Bildungsmillieus wird somit weitergetrieben. Die JUSO verlangt von Rektor Marc König in einem offenen Brief eine Stellungnahme.

 

Sehr geehrter Herr König

 

Bestürzt haben wir zur Kenntnis genommen, dass das langjährige Pächterpaar der Mensa in der Kantonsschule am Burggraben aus wirtschaftlichen Gründen ihre Arbeit einstellen muss und in Kürze der Grosskonzern SV-Group AG ihren Platz einnehmen wird.

Alle ehemaligen und aktuellen Schülerinnen und Schüler, die in den letzten Jahren die Kantonsschule am Burggraben besucht haben, werden ein persönliches Verhältnis des Betreiberehepaars gegenüber ihrer Kundschaft nicht bestreiten können. Die Mensa bildete die Seele der Schule, das Team hatte immer ein offenes Ohr für die Schülerschaft und brachte auch manch einem ehemaligen UG-ler, der als zukünftige geistige Elite des Kantons niemals in den Genuss des Hauswirtschaftsunterricht gekommen war, die Kochkunst näher.

Die Mensa der KSBG war dazu gezwungen, mit einem im Vergleich zu den anderen Kantonsschulmensen in der Ostschweiz unverhältnismässig kleinen und jeder vernünftigen Grundlage entbehrenden Beitrag zu wirtschaften und wurde je länger je stärker unter finanziellen Druck gesetzt. Der Betrieb der Mensa, welche nach Ansicht einer externen Expertise absolut gerechtfertigte Preise und Kosten für die gewährleistete Qualität verlangt, war jährlich defizitär. Die Schulleitung argumentierte gegenüber den Mensabetreibern stets damit, durch die Pacht der Mensa auch andere Einnahmen als jene durch die Mensa zu generieren. Dies mag durchaus Möglichkeiten für zusätzliche Einnahmen bieten, vermag jedoch noch keinen an sich defizitären Mensabetrieb zu rechtfertigen und geht über den Auftrag des Service Public hinaus.

Die JUSO empfindet es als Skandal, dass der Spardruck derart direkt und heftig auf die Mensa abgewälzt wurde und keinerlei Anstalten gemacht wurden, um das hochgeschätzte Pächterpaar aus der finanziellen Bedrängnis herauszuholen. Aufgrund des tiefen öffentlichen Beitrags unterstützte das Pächterpaar die vergünstigten Menüpreise mit ihren eigenen Löhnen.

Die Art und Weise, wie in dieser Angelegenheit kommuniziert wurde, erscheint uns schwer bedenklich. Die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Öffentlichkeit wurden erst vor kurzem über den Wechsel informiert. Der SchülerInnenorganisation (SO) wurde ein Maulkorb verpasst, sodass sie in einer solch wichtigen Situation ihren Zweck, die kritische Mitsprache an der Schule, nicht wahrnehmen konnte. Es scheint, dass die Schulleitung Angst hatte vor dem Staub, der damit aufgewirbelt wird und sich auf des Königs Krone setzen könnte.

Die Seele der Kanti wird nun den Gesetzen des Markts geopfert. Die neu einziehende SV-Group AG wird geleitet von Anzugträgern, welche in ihrem Leben wohl noch nie eine Schöpfkelle in der Hand hielten und deren einziges Interesse die Profitmaximierung ist.

Die Schule stand vor der Frage, was für eine Art Mensa sie sich wünscht: Ein Pächterpaar, welche zu den SchülerInnen ein persönliches Verhältnis pflegt und in Notzeiten gar bereit ist, zuerst den eigenen Lohn zu kürzen um dem Service Public nachzukommen und den Hungrigen jeden Tag ein qualitativ hochwertiges Menü aufzutischen – oder ein anonymes Grossunternehmen, welches mit der Betreibung von Mensen jährlich Millionengewinne einfährt und dabei – wie Erfahrungen in Trogen zeigen (Tagblatt, 10. Dezember 2013) – die Qualität zugunsten des Profits gar leiden lässt und die Schülerinnen und Schüler bloss mit den berechnenden Augen der Unternehmensbilanz wahrnehmen wird. Es ist auf allen Ebenen bedauerlich, wie diese Frage beantwortet wurde.

Die JUSO kritisiert die Sparmassnahmen des Kantons St.Gallen seit Jahren aufs Schärfste und ist sich bewusst, dass dies die Kantonsschulen unter Druck setzt. Dennoch sehen wir den Rektor sowie die Schulleitung klar in der Verantwortung, die Kosteneinsparungen nicht dort vorzunehmen, wo offensichtlich kein Spielraum besteht und die Konsequenzen so massiv spürbar sind. Wir fordern deshalb von Ihnen, Herr König, eine öffentliche Stellungnahme zum Mensawechsel im Besonderen und allgemein zur Sparpolitik der Kantonsschule am Burggraben.

 

Der Vorstand der JUSO Kanton St.Gallen

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