Offener Brief an die Gemeinde Amden

Seit klar ist, dass in der Gemeinde Amden SG ab Anfang 2016 eine Asylunterkunft im Kurhaus Bergruh eingerichtet werden soll, wurden in diversen Medien viele schockierende und besorgniserregende Aussagen von EinwohnerInnen der Gemeinde gemacht. Von Ablehnung der Asylunterkunft bis hin zu offen hasserfüllten Parolen gegen die Flüchtlinge weist vieles auf ein völliges Fehlen von Solidarität mancher Ammlerinnen und Ammler hin. Vier Ostschweizer Sektionen der JungsozialistInnen (JUSO), die in Amden vor wenigen Wochen ihr Osterlager veranstaltet haben, haben darum einen offenen Brief an die Gemeinde geschrieben.

Offener Brief an die Gemeinde Amden

Liebe Ammlerinnen und Ammler

Vor wenigen Wochen hielten die Ostschweizer Sektionen der JUSO in ihrer schönen Gemeinde unser Osterlager ab. Sowohl die Aussicht auf den Walensee als auch die Infrastruktur werden uns in guter Erinnerung bleiben. Was aber in den letzten Tagen aus Amden zu hören war, hat uns JungsozialistInnen aus dem Kanton St. Gallen, dem Thurgau, dem Appenzellerland und dem Kanton Glarus geschockt. In den Medien zeigten sich Ammlerinnen und Ammler fremdenfeindlich und beängstigend aggressiv gegenüber Flüchtlingen im Zusammenhang mit der Schaffung von Asylunterkünften in Amden. Dass für eine kleine Gemeinde wie Amden diese Unterbringungen eine Herausforderung bedeuten können, können wir völlig nachvollziehen. Dass aber in Zusammenhang mit diesen Unterbringungen Stimmen laut wurden, die pauschal diffamierten und hetzten, können wir nicht widerspruchslos hinnehmen.

Das Prinzip von Solidarität scheint einigen Ammlerinnen und Ammlern völlig unbekannt zu sein. So wünschten sich in den Medien manche BewohnerInnen von Amden im Gebäude des geplanten Asylzentrums eher eine profitable Schönheitsklinik, in denen sich TopverdienerInnen in angenehmer Alpenkulisse mit Botox und Silikon aufplustern lassen könnten. Andere kritisierten die Flüchtlinge sogar dafür, dass sie flüchteten und behaupteten, sie wollten hier nur in „Saus und Braus“ leben.

Hier zeigt sich ein absolutes Unverständnis für die Lage derjenigen Menschen, die ihre Heimat gezwungenermassen verlassen müssen, weil sie dort an Leib und Leben bedroht sind. Einige AmmlerInnen schienen an die alte Mär zu glauben, dass es sich bei den Flüchtenden nur um Wirtschaftsflüchtlinge handle, die aus egoistischen Gründen ihr Land verlassen. Diese dummdreiste Lüge ist doch spätestens seit den schrecklichen Flüchtlingstragödien im Mittelmeer vor wenigen Wochen als solche demaskiert worden!

Uns ist bewusst, dass diejenigen, die am lautesten hetzen, nicht immer die Repräsentativen sind. Wir sind überzeugt davon, dass es Menschen in Amden gibt, die in Flüchtenden nicht einfach nur Schädlinge sehen, die ja dort bleiben sollen, wo sie herkommen. Nicht zuletzt die Ordensgemeinschaft der Baldegger Schwestern hat grossen Einsatz für die Asylsuchenden gezeigt. Wir sichern ihnen unsere Unterstützung und Solidarität zu und hoffen es gelingt ihnen, der Bevölkerung von Amden zu vermitteln, dass es sich bei den Flüchtenden um Menschen handelt, die furchtbare menschliche Tragödien durchgemacht haben und auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Den Ammlerinnen und Ammlern, die sich mit rassistischen und menschenverachtenden Parolen hervorgetan haben, darunter insbesondere der SVP Ortspräsident Hugo Thoma, würde es recht geschehen, durch die Asylunterkunft mit der Lebensrealität der Flüchtenden konfrontiert zu werden. Doch unter den aktuellen Umständen und dem offen sichtbar gewordenem Hass halten wir es für falsch, die Asylsuchenden in Amden unterzubringen. Die Gefahr, dass aus aggressiven Worten aggressive Taten folgen, ist zu gross.

Doch auch wir möchten uns in einer offen unsolidarischen Atmosphäre nicht bewegen. Wir JungsozialistInnen aus den Kantonen der Ostschweiz werden wegen der teils offenen Hetze gegen Flüchtende davon absehen, in Zukunft unsere Veranstaltungen in Amden abzuhalten. Desweiteren wünschen wir von Gemeindepräsident Urs Roth eine klare Distanzierung von den rassistischen Aussagen in seiner Gemeinde und eine Zusicherung, dass er die Sicherheit und das Wohlergehen der Asylsuchenden in ihrem neuen Zuhause gewährleisten wird.

Mit Grüssen

Andrea Scheck

Für die JungsozialistInnen St. Gallen

Flavio Brühwiler

Für die JungsozialistInnen Thurgau

Nadja Keusch

Für die JungsozialistInnen Appenzellerland

Denise Aeppli

Für die JungsozialistInnen Glarnerland

 

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