Am Mittwoch veröffentlichte das Tagblatt einen Gastkommentar von SP-Kantonsrat Bernhard Hauser, der von antimuslimisch-rassistischen und misogynen Aussagen durchzogen ist. Die JUSO stellt klar, dass Hauser für eine linke Partei untragbar ist und fordert seinen sofortigen Rücktritt aus dem Kantonsrat und allen anderen SP-Mandaten.
Der gestrige Gastkommentar von Bernhard Hauser im St.Galler Tagblatt liest sich wie ein SVP-Communiqué. Hauser versucht händeringend einen Zusammenhang zu konstruieren zwischen antimuslimisch-rassistischen Kleidervorschriften und der vermeintlichen Befreiung von Frauen. Ein Mandat als SP-Kantonsrat verpflichtet, für Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität einzustehen. Bernhard Hauser tritt diese Grundwerte mit Füssen und ist somit für eine sozialdemokratische Partei untragbar. “Hauser nimmt sich in seinem Kommentar vieler Themen an - von keinem ist er selbst betroffen. Stattdessen missbraucht er sowohl diese Themen als auch sein Mandat, um zu hetzen und Ressentiments zu schüren.” sagt Robin Eichmann, Co-Präsident*in der JUSO Kanton St.Gallen.
Ein Kopftuchverbot für Lehrpersonen ist kein Zeichen von Emanzipation, sondern Diskriminierung. Das Kopftuch pauschal als Symbol der Unterdrückung zu deuten, greift zu kurz und ist Ausdruck jener Rhetorik, die in rechtskonservativen Kreisen anzutreffen ist, um muslimische Frauen abzuwerten. Emanzipation bedeutet, sich kleiden zu können, wie man will, die eigene Religion selbstbestimmt zu leben und dem Beruf nachgehen zu können, dem man nachgehen will. Und vor allem: Dies zu tun, ohne dass eine nicht betroffene Person wie Bernhard Hauser eine Plattform bekommt, um junge Musliminnen in dieser Freiheit einschränken zu wollen und ihnen ihre Selbstbestimmung abzusprechen.
Hausers gesamter Tonfall im Gastkommentar ist mehr als unpassend. Im Artikel beschreibt er beispielsweise queere Sexualität als das “bunte und lustvolle Ausleben sexueller Präferenzen”. Er übernimmt die Rhetorik der Rechten indem er queere Identitäten auf oberflächliche Bilder reduziert und trägt damit zur Delegitimierung queerer Lebensrealitäten bei. In seinen Ausführungen dazu, dass auch eine Frau, die ihre “Reize [...] einladend präsentiert”, keine Schuld an einem Übergriff ihr gegenüber hat, befand es Hauser als nötig, diese Reize noch ausführlich aufzulisten: knappes Dekolleté, Minirock, wallende Haare und erotischen Bewegungen. Auch wenn sexistischen, queerfeindlichen und antimuslimisch-rassistischen Äusserungen im politischen Diskurs eine besorgniserregende Normalität sind, wäre von einem SP-Kantonsrat mehr zu erwarten.
“Jeder Lehrerin, die ein Kopftuch trägt, vorzuwerfen, dass sie einen heimlichen Lehrplan des konservativen und frauenfeindlichen Islams in eine Klasse trägt, ist schlichtweg antimuslimisch-rassistisch”, sagt Chiara Gerster, Co-Präsidentin der JUSO Kanton St.Gallen. Damit hat er endgültig jegliche politische Legitimation innerhalb der SP verloren. Die JUSO St.Gallen erwartet von der SP und der Pädagogischen Hochschule eine Distanzierung. An der PH war Hauser als Professor angestellt, was auch im Gastkommentar ausdrücklich erwähnt wird. Ausserdem fordert die JUSO von Hauser selbst seinen Rücktritt von allen SP-Mandaten.
29.08.2025